Zwei Nächte ohne dich…

Ja, so sitze ich hier und schaue mir noch einem die Fotos vom vorletzten Wochenende an.

Schön wars. Sonnig, fröhlich, spannend, ungezwungen, abenteuerlich. Aber ohne dich.

Ach, mein Krümelmädchen, da haben Mama und Papa dich aus unserer Obhut gegeben. Das allererste Mal für mehr als ein paar Stunden, und erst recht das erste Mal über Nacht. Und das gleich für zwei lange Nächte. Schon Monate vorher haben wir dieses Wochenende geplant, mit deiner Omi gesprochen, damit sie sich ihre raren freien Tage auf diesen Zeitraum legt. Ganz locker, so als wär das nichts. Und wenige Tage vorher habe ich dir immer wieder erzählt: ‘Bald darfst du bei der Omi schlafen. Freust du dich darauf?‘ Und du hast gegrinst und gequietscht ‘Ooomi api!!‘ (mit api ahmt sie das Schnarchgeräusch nach ^^). Einen dicken Knutsch gabs dafür von mir, du bist einfach zu süß.

Aber in mir drin. Da war Angst. Schon Wochen vorher.

Nein, ich hatte keine Angst, dass deine Omi dieses Wochenende nicht meistert. Sie ist fit, einfallsreich, es gibt kaum jemanden, dem ich drei ganze Tage mit dir mehr zutrauen würde. Du lachst mit ihr, liebst sie sehr und erzählst oft kauderwelschige Geschichten, die dutzende Male das Wort ‘Omi’ enthalten. Ich vertraue deiner Omi UND ich vertraue dir.

Ich hatte Angst vor mir.

Allein der Gedanke an ein ganzen Wochenende ohne dich ließ meine Tränen kullern. Du, mein Mädchen, mein Leben. Es fühlte sich im Vorhinein an, als hätte ich freiwillig zugestimmt, mir ein Wochenende lang die Luft zum Atmen zu nehmen. Klingt das ein bisschen verrückt? Ja, das liegt daran, dass ich dich wie verrückt liebe! Ich konnte noch nie gut loslassen, und dich, dich will ich am Liebsten mein Leben lang festhalten.

Ich weiß, du hast Flügel. Und ich helfe dir jeden Tag, sie ein Stückchen mehr auszubreiten. Die zarten Federn sollen dich eines Tages stark tragen können. Ich mache dir Mut zu klettern, zu forschen, deinen Bewegungsradius zu erweitern, mit uns als Mittelpunkt. Aber an diesem Wochenende habe ich dich dazu gezwungen, zu versuchen, ob die kleinen Flügelchen, die du schon hast, dich tragen können. Denn mit deinen 23 Monaten kannst du noch nicht selbst entscheiden, du kannst die Tragweite meiner Worte oft noch nicht verstehen. Und schon vorher fühlte ich mich genau deswegen schuldig. Ich hörte dich schon weinen, nach uns rufen, uns vermissen und nicht verstehen, warum wir nicht kommen, wenn du dir dein Köpfchen stößt, kuscheln möchtest oder uns nachts suchst. Ich fühlte mich wie die schlechteste Mutter der Welt, als wir uns bei deiner Omi zurück ließen. Dich von uns trennten, um selbst ein paar vergnügliche Tage zu verbringen.

Nun höre ich euch schon, ihr Mütter. Die eine Seite, die sagt:

Ach komm, nun stell dich nicht so an. Wie soll das noch werden? Das Kind wird doch nie loslassen, wenn du sie nicht loslässt. Alles halb so wild. Die Omi wuppt das schon. Sei doch nicht so eine Glucke! Früher (ja FRÜHER) da ging das doch auch!

Und ihr anderen, die da sagen:

Du hast schon Recht, ich würde mein Kind so jung nicht abgeben. Sie ist fast noch ein Baby. Das ist nicht grade förderlich für die Bindung und das Vertrauen, wenn du sie abgibst, obwohl sie das noch gar nicht verstehen kann.

Und da wart ihr, meine Lieblings-Filterbubble, die sowas schrieb:

“Dein Vergnügen trägt zur Erhaltung deiner Kräfte und deiner seelischen Gesundheit bei. <3” (danke, Anne, damit hast du mehr als Recht!!”

“Wenn was ist, dann ruf ich an. Wenn sie weint und sich nicht beruhigen lässt, wenn sie euch dauernd sucht. Ihr seid doch in 10 Minuten da.” (Danke, Mameli!)

 

(der letzte ging nicht ursprünglich an mich, wurde mir aber als Zitat gesendet, danke nochmal :-*)

Und ihr alle, ihr hattet Platz in meinem Kopf und habt ganz schön viel Krach gemacht da drin. 

Okay, mein Mädchen. Wir wissen beide, wie es ausging. Du hast nicht ein Mal ernsthaft geweint bei Omi. Sie hat dich ohne Bedenken in ihren Alltag mitgenommen, war mit dir unterwegs, hat mit dir geschmust. Und schon am ersten Morgen hast du schon nach ihr gerufen, dich aus dem Bett zu heben, obwohl du nachts noch nach Mama und Papa suchtest. Immer wieder musste ich in unserem mittelalterlichen Ambiente zum Smartphone greifen und mich nach dir erkundigen. Und als Antwort bekam ich Fotos von deinem lachenden Gesicht im Sandkasten, auf der Rutsche, im Spiel vertieft. Alles war gut.

Das Krümelmädchen mit meiner Cousine

 

Collage des Glücks

 

Als wir dich abholten schliefst du noch tief und fest. Und als du wach wurdest hast du uns gesehen und…..warst nicht glücklich. Erst als Omi in den Raum kam. Okay, vielleicht war das die kleine Strafe, die wir verdient haben. Schon in Ordnung, Süße.

Wir sind daran gewachsen. Alle drei. Und du hast deine Flügel ein Stückchen weiter ausgebreitet. Das ist gut so! Danke, dass du es uns so einfach gemacht hast, unsere Paarzeit zu genießen. Du bist das wundervollste Kind der Welt!

 

deine Mama

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.