Willkommen im Kindergarten

Es ist soweit!

Mein kleines Mädchen kommt nun in den Kindergarten.
Der Weg hierhin war lang und vollgepackt mit Unsicherheiten und Zweifeln, aber nun ist der Startschuss gefallen und wir befinden uns an Tag 8 der Eingewöhnung.

Wer mir schon länger folgt weiß, dass Helena ein eher schüchternes, zurückhaltendes Kind ist. Wo andere Kinder ein paar Monate fremdeln hat sie die ersten 18 Monate ihres Lebens jeden weggeschrien, der nicht Mama oder Papa war. So stand auch gleich fest: mit 12 Monaten werden wir sie nicht in die Krippe geben (können).
Für uns stellte das kein Problem dar, ich kann zu Hause bleiben und möchte das auch sehr gerne.
Also haben wir die Zeit, die uns da geschenkt wurde, voll genossen und ausgekostet.
Ausschlafen, alle Spieltriebe ausleben, schwierige Phasen ohne wenn und aber abfedern, die Welt erleben und kennen lernen, ohne feste Zwänge und Zeitdruck.
Ich bin zutiefst dankbar für diese drei wundervollen, freien Jahre.

Doch in den letzten Monaten zeigte sich deutlich: Unser Kind ist nun soweit. Sie fordert mehr körperliche Aktivität, als ich ihr auf Dauer bieten kann, sie will mehr. Mehr sehen, mehr erleben als ’nur‘ Mama und die bekannten Pfade. Außerdem legt sie plötzlich so viel Mut und Offenheit an den Tag, wie ich nie zuvor an ihr erlebt habe. Im Vergleich war und ist sie noch immer ein zurückhaltendes Kind, aber die Entwicklung ist enorm.

So beschlossen wir Anfang des Jahres, dass wir sie im örtlichen Kindergarten anmelden.
Mein Magen zog sich schon bei der Vorstellung zusammen, von Helena getrennt zu werden, plötzlich den halben Tag lang nur noch passiv Mama zu sein. Verantwortung abgeben, Zuneigung teilen, meine Lieblings-Aufgabe verlieren. Nichts kann ich besser und mach ich lieber als Mama-sein.
Ich fürchte bloß: Loslassen können gehört zu meinen Aufgaben.
Aber jeder Job hat ja seine Schattenseiten 😉

Die wundervolle Kathrin (Oeko-Hippie-Rabenmuetter) schrieb über ihre Eingewöhnungszeit und zeigte ein Problem auf, dessen ich mir dadurch kurz vor unserer eigenen Eingewöhnung bewusst wurde: Ich durfte Helena nicht spüren lassen, wie schwierig diese Zeit für MICH ist. Meine Zuversicht und mein Mut ist ihr Halt.

Der erste Kindergartentag!!

Letzten Montag war es soweit. Helena freute sich riesig, von vorherigen Besprechungen und Besichtigungen kannte sie die Räume schon und hatte richtig Lust drauf. Perfekt!
Von Monatg bis Mittwoche steigerten wir die Anwesenheitszeit von 90 Minuten bis auf 3 Stunden. Ich blieb natürlich dabei, und mein Kind hatte jede Menge Spaß.
Lieblingsorte: Frühstückstisch, Kindertoilette und Wippe.
Zwar rückversicherte sie sich immer wieder, dass ich da bin und holte sich von Zeit zu Zeit ein paar Sekunden Nähe bei mir, aber grundsätzlich lief es viel besser als erwartet.

Donnerstag dann verabschiedete ich mich zum ersten mal für eine halbe Stunde. Sie frühstückte, woran sie sichtlich Freude hat und am meisten Mut und Selbstsicherheit zeigt. Ich fragte sie, ob ich etwas trinken gehen dürfe, sie war einverstanden. Und es lief wunderbar!

Freitag die erste richtige Trennung

Ich bereitete sie am Abend zuvor schon vor, fragte sie, ob ich kurz einkaufen gehen dürfe, wenn sie im Kindergarten ist. Sie bejahte das und bestätigte das auch am nächsten Morgen nochmal.
Und siehe da: Nach der Ankunft in der Gruppe bekam ich einen Kuss und war sofort uninteressant. Also verschwand ich etwa 90 Minuten, weinte jede Menge ein paar bittere Tränen auf mein Lenkrad und sah den Sekunden beim Ticken zu.
Bei meiner Rückkehr war alles in Ordnung. Kind glücklich, Mama glücklich.
Das Folgende war eindeutig mein Fehler.
Was ich hätte tun sollen: Sie anziehen und mit nach Hause nehmen.
Was ich tat: Ich schickte sie zurück in die Gruppe, denn dort lief noch ein Geburtstagsritual und ich glaubte ihr und den anderen einen Gefallen zu tun, wenn sie das bis zum Ende erleben dürfe. Die Tür wurde hinter ihr geschlossen und ich sah schon, dass sie nicht ganz einverstanden war. Aber sie weinte nicht, setzte sich wieder zu den anderen.
Den Abschluss der Rituals bildet ein wildes Spiel im Turnraum, in den Helena wieder fröhlich mit der Gruppe lief, ich blieb draußen.
Dieses Spiel aber, die Wildheit und der Krach waren das Tröpfchen zu viel. Jemand stieg ihr auf die Hand, und sie weinte bitterlich. Zwar lies sie sich trösten, aber sobald sie mich draußen sah, war es vorbei mit der Beherrschung. Der Eingewöhnungstag endete unter Tränen und mein Herz blutete.

Bei unserem allabendlichen Rückblick auf den Tag äußerte Leni, dass alles zu laut und zu viel war, sie aber wieder hingehen wolle. Puh. Kompetentes Kind.

Wochenende, leider ohne Ruhe, ich war nervös, was der Montag bringen würde.

„Mama, is möchte heute bitte nicht allein isse Kindagaten sein!“

Er brachte: Unsicherheit, Nähebedürfnis, Abstand halten. So richtig wollte sie nicht in die Gruppe und zum ersten Mal auch nicht zur Erzieherin. Es dauerte eine ganze Weile und viele Engelszungen, bis sie sich mit Schere und Bastelkarton locken lies. In dieser Woche werden die Laternen für St. Martin gebastelt, die Erzieherin hat es dadurch deutlich schwerer, Helena Exklusivzeit zu schenken, beim Basteln brauchen die anderen Kinder ebenso mehr Aufsicht.
Nach 90 Minuten beendeten wir den Tag. Fröhlich, aber bestimmt. Sie möchte heim.

Der Dienstag brachte 2 Stunden voller Schnibbelei, Schnipsel kleben und Äpfelchen knabbern, mit mir im Hintergrund. Sozusagen wieder ‚Normalzustand‘. Und ein inniges Gespräch zwischen der Erzieherin und Helena darüber, ob ich Mittwoch wieder kurz weggehen dürfe, sofern Helena sich wohl fühle. Ein fröhliches Nicken war die Antwort.

Da isser, der Mittwoch

Rückblickend hat die Erzieherin mich und Helena ganz schön überfahren, aber das war vermutlich nötig.
Ich brachte mein Kind in den Kindergarten, und auf Rückfrage meinerseits wie es weiterginge hieß es, ich könne um viertel vor elf wieder kommen. Ähm? Also keine kurze Trennung sondern direkt 90 Minuten ‚Rauswurf‘.
Ich tingelte so durch die Wetterau, versuchte mich von meinen Sorgen frei zu singen und die Zeit verging ziemlich schnell.
Beim Abholen strahlte mich ein fröhliches Kind an.
Der Tag verlief völlig tränenfrei, auf beiden Seiten 😉 Perfekt!
Nun stehen aber 4 Tage Pause bevor, ich bin neugierig, wie der nächste Monatg wird. Aber ich glaube, wir habens bald geschafft. Hach.

Gedanken

Um ehrlich zu sein hatte ich mehr Druck seitens des Kindergartens erwartet. Einfach, weil ich dieses Bild von städtischen Kindergärten habe: Alles muss schnell gehen, keine Zeit, kein Platz für Individualität.
Ja, die Betreuungssituation ist auch hier knapp, und ja, manchmal muss mein Mama-Ich schlucken ob der Regeln und der Wege, diese durchzusetzen.
Aber es mangelt ebenso nicht an Zuwendung, Förderung und Verständnis. Wenn zwei Erzieher 20 Kinder betreuen und die Verantwortung tragen, müssen einfach andere Regeln gelten als zu Hause. Das zu akzeptieren dauerte einen Moment bei mir.
Ich erwarte nicht, dass alles perfekt ist.
Und ich erwarte auch nicht mehr, dass all das leicht für uns ist.
Aber ich sehe, dass es gut so ist. Vor allem für Helena. Aber vielleicht auch für mich. Ich werde mich entwickeln und daran wachsen, genau wie sie.
Unsere Geschichte geht weiter und mein Mädchen wächst. Innen und außen.

Bis bald,

deine Lila

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.