Schlaf gut! – Wie wir Eulen die Nacht verbringen

Tanja von Tafjora hat für den Monat März ein Thema ausgerufen, zu dem ich auch sehr gern etwas beitragen möchte (ich geben zu: die Uhr zeigt den 01.04.2016, 00:15 Uhr, aber das zähl ich mal grad noch zum akademischen Viertel *g*)

Die allerallererste Nacht mit Helena Anjuli war furchtbar. 
Wir waren im Krankenhaus, wir hatten noch keine gemeinsame Wellenlänge, das Stillen klappte nicht und sie weinte einfach sehr viel. Ich war total überfordert, und das änderte sich auch in der zweiten Nacht nicht. Und so sehr ich dieses kleine Bündel auch liebte, in manchem nächtlichen Augenblick wollte ich sie am liebsten wieder zurück in meinem Bauch schieben. Ich brauchte so dringend Ruhe nach der langen, anstrengenden Geburt und keiner in diesem verflixten Krankenhaus wollte mir so richtig helfen, und sei es nur beim Stillen.

Zum Glück bewahrheiteten sich meine Ängste NICHT, dass es zu Hause so weitergehen würde. Ganz im Gegenteil.
In den ersten fünf Wochen wurde mein Mädchen jede Nacht um punkt drei Uhr wach, forderte eine Mahlzeit und schlief weiter. Sie hatte eine kleine Beistellwiege an meiner Bettseite, ich konnte sie sehen, hören, riechen, alles war gut so und wirkte meiner Angst vorm plötzlichen Kindstod sehr entgegen. 
Sie durfte schon immer schlafen, wann auch immer ihr danach war, tags stand die Wiege im Wohnzimmer, nachts an meinem Bett. Wenn ich ehrlich bin schlief sie tagsüber aber fast nur auf meinem Arm. Weglegen führte häufig zu wachwerden.
Der Nachtschlaf startete gegen 23 Uhr, dann die Milchpause, und endete zwischen elf und zwölf Uhr vormittags. Den Rest des Tages schlief sie meistens beim Stillen ein, immer etwa 20 Minuten am Stück. Oder im Tragetuch, da auch gerne mal mehrere Stunden am Stück, so lang man in Bewegung blieb.
Nach den besagten fünf Wochen gab es eine Wendung, die ich anderen Neu-Mamis eher nicht erzählen sollte: Sie schlief durch. Einfach so. Von 23 Uhr (leider schlief sie eine Weile nur unter Tränen ein) bis neun Uhr morgens, dann einmal Stillen, weiter schlafen bis mittags. Der Tagschlaf blieb wie gehabt.

Ohweh, waren wir verwöhnt mit diesem schlafenden Engelchen.
Und je höher der Aufstieg, desto tiefer der Fall.

Sie war sechs Monate alt, da war das vorbei. Sie wurde 2-4 Mal nachts wach, hatte nie Durst, sondern war eben einfach wach. Das war nicht dramatisch, aber wir waren es nicht gewöhnt und das hat doch ganz schön geschlaucht. Zu oft dauerte eine dieser Wachphasen weit über eine Stunde. Weiterhin schlief sie neben meiner Bettseite, sehr bald stand dort das große Gitterbett, denn die Wiege war zu klein geworden.
Bis etwa zu ihrem ersten Geburtstag schlief sie übrigens ausschließlich auf unsrem Arm ein. Jeder Versuch das zu ändern führte zu purer Hysterie, einige Male übergab sie sich fast vor Aufregung, also haben wir ihr eben einfach das gegeben, was sie wollte: Nähe.

Mit etwas über einem Jahr kam sie in ihr eigenes Zimmer. Mit der Zeit verschob sich ihr ‚Schlaffenster‘ von allein, fing sie sogar an geregelten Mittagsschlaf zu halten, und konnte in ihrem Bett, begleitet durch unsre Anwesenheit, wunderbar einschlafen. 

Es gab ein paar Wochen, da wurde sie nachts wach, hat geschrien und geweint, manchmal über eine Stunde lang, hat sich nicht anfassen lassen, und weder Schnuller noch Kuscheltier hat sie akzeptiert, alles hat sie von sich geworfen. Wir nehmen an, dass das der Nachtschreck war, eine wirklich schlimme und schwierige Zeit. Wir konnten nichts tun als sie zu uns holen, bei ihr zu sitzen und zu warten. Und singen. Und gut zureden. Und manchmal mitweinen.

Heute, mit 19 Monaten (ziemlich genau sogar), sieht das Schlafen wie folgt aus: 
Um kurz vor zwanzig Uhr geht Papa mit ihr Zähne putzen. Dann ‚die letzte Windel‚, Schlafanzug und der Schlafsack mit Füßen. Sie stapft zu mir ins Wohnzimmer, Papa steckt mir ihren Schnulli zu, den sie nur noch im Bett hat, den geb ich ihr, dann bekomm ich ein Kussi und sie geht freiwillig ins Bett. Zian bleibt bei ihr, und nach 20-40 Minuten schläft sie ruhig und Händchenhaltend ein (und Zian meist auch, seit eine Gymnastikmatte den Kinderzimmerboden weicher macht 😀 ). 
Zwischen Mitternacht und zwei Uhr früh weint sie in der Regel kurz, ich setze mich zu ihr, sie legt sich hin und schläft weiter während ich sie streichel oder etwas singe.
Morgens um sieben etwa wird sie wach, ich hole sie dann in unser Bett (Zian ist da schon seit über 2 Stunden auf der Arbeit), sie trinkt eine Flasche preMilch und wir schlafen gemeinsam nochmal bis etwa neun Uhr, 
Zwischen 12 Uhr und 13 Uhr steigen wir gemeinsam ins Elternbett, da hält sie Mittagsschlaf für 1-2 Stunden (manchmal mit mir, manchmal ohne mich).

Im Großen und Ganzen kann ich mich also nicht beschweren
Natürlich haben Nachtschreck, Krankheiten oder Zähne schon das ein oder andere Mal ein paar Tage lang alles durcheinandergewirbelt, aber das ist ja normal.
Ansonsten hat sie es geschafft ihren Schlaf in den letzten anderthalb Jahren völlig frei zu regulieren, ihren Rhythmus zu finden. Darüber bin ich sehr froh, denn das bestätigt mich darin, dass unser Weg so falsch nicht gewesen sein kann. Wir haben einfach den am Besten zu unsrer Tochter passenden Weg gefunden und begünstigt durch ein meist unkompliziertes Schlafkind.
Im Prinzip ist sie genau so eine Eule wie ich es bin. Und ihr Papa. Zum Glück!! Das macht es noch einmal stressfreier für uns alle.

Das Gekuschel im Familienbett lieben wir sehr, sind aber auch froh, wenn sie bei sich liegt. Zumal wir ein Boxspringbett haben, aus dem sie schon einmal rausgefallen ist. Das muss nicht nochmals passieren :-/
Aktuell schläft sie seit einigen Tagen sogar wieder komplett durch und ich schau ab acht Uhr früh immer wieder nach, ob sie WIRKLICH noch schläft *knock on wood*

So ist das bei uns. Generell unaufgeregt, begleitet, angenehm für alle Seiten. Und kuschlig. Immer kuschlig

Bis bald, 
                                                                                                                                                                                                           deine Lila

P.S.: Es ist nun 02:05 Uhr, die letzten zwei Stunden hab ich neben Krümelchens Bett gesessen und mir Geschichten zu jedem einzelnen Kuscheltier erzählen lassen. In ihrer süßen, kauderwelschigen Sprache. Eine dieser Nächte musste AUSGERECHNET heute sein 😀 Allerdings: JA, mein Kind schläft morgens länger, wenns nachts wach war.

3 thoughts on “Schlaf gut! – Wie wir Eulen die Nacht verbringen

  1. Ich finde es toll, wie entspannt ihr das Thema Schlafen angeht. 🙂

    Unser Söhnchen (inzwischen 5 Jahre) ist ebenfalls ein Langschläfer. Und zwar fast von Geburt an. Und er hat auch relativ schnell durchgeschlafen. Das wage ich selten zu erzählen, weil man da oft ungläubige Blicke von anderen Eltern erntet. 😉

    Wir sind es ähnlich angegangen wie ihr. Unser Sohn durfte immer schlafen, wann er wollte. Er wurde nicht wachgehalten, damit er abends besser schläft oder so was. Und wir haben ihm die Nähe gegeben, die er brauchte. Kleine Babys brauchen ihre Eltern in der Nähe, damit sie sich sicher fühlen, dachten wir uns. Schließlich können sie alleine noch nicht viel ausrichten außer zappeln und weinen, um auf sich aufmerksam zu machen. 😉 Diese Ruhe und Geborgenheit, die wir von Anfang an ausstrahlten, wurde schnell belohnt.

    Wir hatten natürlich trotzdem Leute in unserer Umgebung, die uns zum Beispiel einreden wollten, man solle sein Kind ruhig mal schreien lassen. Da hörten wir aber nur freundlich nickend zu und machten trotzdem, was unser Bauch uns sagte. Und der sagte: Man kann ein Baby nicht "zu sehr verwöhnen". Ein Baby braucht seine Eltern in der Nähe, damit es sich sicher und geborgen fühlt.

    Ich sehe es wie Tanja: Die Kinder spüren, dass ihre Eltern entspannt sind und auf ihre Bedürfnisse eingehen und das lässt sie sich dann selbst entspannen und besser schlafen.

    Ein schöner Beitrag von dir! Hat Spaß gemacht ihn zu lesen.

  2. Ein sehr schöner Beitrag! Schön dass Du es noch geschafft hast, bei der Blogparade mitzumachen, herzlichen Dank dafür.
    Das ist schön, dass das Schlafthema so entspannt bei Euch ist. Wahrscheinlich ist es genau das, was dann die Kinder auch entspannter sein lässt, weil sie das spüren. Ihr geht auf all Eure Bedürfnisse ein. Und Ihr lasst sie nicht alleine, begleitet sie in den Schlaf, das gibt ihr die Sicherheit für guten Schlaf. Machen wir heute noch so beim Löwenjungen. Der will auch mit 6 nicht alleine einschlafen.
    Lieben Gruß
    Tanja

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