Hashimoto-Thyreoiditis und Kinderwunsch


WICHTIG:
Dieser Beitrag erhebt keinen Anspruch auf medizinische Korrektheit. Ich berichte von MEINEN Erfahrungen und Gedanken. 

Lange habe ich hierüber nachgedacht und gegrübelt, ob ich dich so tief in mein Leben lassen soll. Aber nachdem ich schon mehrfach darauf angesprochen wurde, warum ich bezüglich eines Geschwisterchens für Helena so pessimistisch gestimmt bin, habe ich mich dafür entschieden. Ich möchte einen kleinen Einblick in das Problem geben. Es geschieht noch viel mehr drumherum, aber das würde den Rahmen sprengen. Hier also das Wichtigste.


Vorgeschichte:


Ich habe schon immer ein merkwürdiges Verhältnis zum Essen gehabt. Aber mein Leben lang konnte ich essen wie ich wollte, ich war schlank und groß gewachsen. Im Prinzip unauffällig (naja, vielleicht etwas zu viel Süßkram, aber das kam niemandem komisch vor). Ich mochte mich nie sonderlich, hatte nie ein positives Körpergefühl, ich kann mich nicht erinnern je in den Spiegel geschaut zu haben und gedacht zu haben: ‘Ach, Tamara, bist du hübsch‘ oder so….heute kann ich darüber nur den Kopf schütteln, wenn ich alte Fotos sehe möchte ich weinen vor Sehnsucht.
Dann, mit Anfang 20, habe ich plötzlich in nicht mal 12 Wochen über 20 kg zugenommen. Einfach so, ohne dass sich meine Lebensweise geändert hätte. Aber was soll ich sagen? Ich war mir sicher, ich sei selbst Schuld. Und ich habs versucht zu ignorieren. In dieser Zeit habe ich gefeiert, ein ausschweifendes Leben geführt, einfach Spaß gehabt. Und da waren Menschen, die mich auch so noch sexy, hübsch, liebenswert fanden. Scheiß auf die Kilos, scheiß auf die Gesundheit, hau rein Kapelle!
Rückblickend finde ich heute, dass ich damals tatsächlich auch noch immer hübsch war. Eine Frau mit Rundungen, keinesfalls dick, aber nicht mehr Größe 38. 
Aber die Kilos kamen und kamen. Schleichend nur noch, aber unaufhaltsam.
Und dann, ich weiß nicht mehr, wer mich motiviert hat, bin ich doch zum Arzt. Hab mein Blut untersuchen lassen, da konnte ja was nicht stimmen. Es hat fast vier Jahr bis dahin gedauert, mein Gewicht war nahezu verdoppelt, so konnte es nicht weitergehen.

Diagnose:


Hashimoto Thyreoiditis

Naja gut. Dann eben Tabletten. Keine Ahnung, was die Krankheit bedeutet, keine Ahnung wo sie herkommt. Aber Tabletten. Angefangen mit einer kleinen Dosis, 25 Mikrogramm, alle 6 Wochen Blutabnahme, Dosissteigerung. Bis hoch zur 100 (aktuell bin ich bei 175 Mikrogramm angekommen). Kontinuierlich immer weiter

Aber auch ich werde älter und vernünftiger. 2012 wollte ich mehr, ich wollte wissen, was da mit mir passiert, ich hörte endlich genauer in mich rein. Ich wollte nicht immer mehr und mehr Hormone in mich rein pumpen und keinerlei fachliche Gespräche mit meiner Ärztin führen können. Ich fühlte mich seit Jahren depressiv, hässlich, lustlos, fertig mit der Welt und mit mir. Und ich wollte ernst genommen werden, zumindest von meiner Ärztin.

Also habe ich die Praxis gewechselt
Und plötzlich wurde ich Dinge gefragt, die mich nie jemand fragt. Meine neue Ärztin wollte hören, wie ich mich fühle. Körperlich und mental.
Sie schrieb mit, handschriftlich, warf nicht einen Blick auf ihren Bildschirm, schaute mir immer wieder in die Augen. Und ich kann kaum sagen, wie gut sich die Worte ‘Ich verstehe‘ anfühlen können. Es war fast eine Therapiesitzung
Und dann hat sie die Sache angepackt. Mir erklärt, was meine Krankheit eigentlich bedeutet. 

Die Hashimoto-Thyreoiditis (…) ist eine Autoimmunerkrankung, die zu einer chronischen Entzündung der Schilddrüse führt. (…) Die Hashimoto-Thyreoiditis als Autoimmunprozess ist derzeit nicht heilbar und wird auch nicht ursächlich behandelt.
(Quelle: Wikipedia)



Tabletten werden immer Teil meines Lebens bleiben!
(Quelle: epSos)

Ich bin keine Fachfrau, ich kann bis heute sicherlich keine wertvolle Unterhaltung über meine Erkrankung führen, aber ich weiß wichtige Dinge. Es gibt keine Heilung. Ich werde mein Leben lang Medikamente nehmen müssen. Es gibt Gründe für meine Müdigkeit, meinen schlechten Zustand, meine Gewichtszunahme. 

Aber das ist noch nicht das Ende der Geschichte.
Denn bis heute haben wir das Problem der stetig steigenden  Dosierung der Medikamente nicht gelöst. Mein Gewicht steigt weiter bei völlig durchschnittlich normaler Ernährung und selbst wenn ich strenge Diät, halte sinkt mein Gewicht kaum nennenswert (ich gebe zu, das stimuliert meine sowieso schon niedrige Selbstdisziplin nicht grade). Es steht also ein Besuch im Endikronologikum an. Ich bin gespannt, ob es danach endlich eine Lösung für mich gibt. 




Aber da war noch was: 
Der Kinderwunsch!

Mein Mann und ich wollten gern ein Kind. Nicht sofort, nicht unbedingt auf die Schnelle aber doch von Herzen. Also haben wir es -wie man so schön sagt- drauf ankommen lassen. Und als die Monate vergingen und ich nicht schwanger wurde fing ich an mir Sorgen zu machen. Nein, ich rede nicht von unzähligen Jahren. Aber wenn man vorbelastet ist, macht man sich vielleicht schneller Sorgen. Doktor Google spuckte zig Berichte von Frauen mit gleichem oder ähnlichem Krankheitsbild aus, die nie Kinder bekommen hatten. Ja, danke. 
Also standen nach knapp einem Jahr Besuche bei der Gyn und beim Urologen an. Beide bestätigten uns völlig normale Werte. Danach also um Rat fragen bei meiner Allgemeinärztin, die sonst so positive Lieblingsdoktorin. Nach diesem Gespräch wäre sie mich fast los gewesen. ‘Nein‘, sagte sie nämlich, ‘es sei kein Wunder, dass es mir schwer fiele schwanger zu werden. Es wäre ein TSH-Wert im unteren Normbereich nötig, um eine Schwangerschaft zu begünstigen. Dafür wäre eine erneute Hormonsteigerung unumgänglich. Aber das wolle sie nicht.
Oh, was habe ich gehardert!! Ich war von ihrem Rezept abhängig. Beinahe war ich so weit meine Dosis selbstständig zu erhöhen, meine Tabletten zu zerkleinern, um meine Ärztin zum umgehen, aber spätestens bei der nächsten Blutkontrolle wäre das aufgeflogen.

Ovulationstests, Mönchspfeffer, Vitaminpräparate, Eisentabletten,  monatlich mindestens zwei Schwangerschaftstests, ich war am Ende. Nun stellte sich meine Ärztin quer.

Dann kam der Winter. Ich arbeitete viel auf Märkten, im Dezember der Weihnachtsmarkt als letzter des Jahres, und auch der anstrengendste. Ich war überall mit meinem Kopf, gestresst, abgelenkt, trank vielleicht einen Eierpunsch zu viel, aber in diesem Monat war der Kinderwunsch in den Hintergrund gerückt.
Und am 23. Dezember hielt ich einen positiven Test in Händen.

WOW.

Wie die Schwangerschaft verlaufen ist, ist ein anderes Thema. Kein Schönes (bis auf das wundervolle Ergebnis). Aber eins sei noch gesagt: Meine Ärztin hat sich mit mir gefreut. Und sich entschuldigt. Sofort wurden die Blutkontrollen sehr engmaschig angelegt, es war nötig die Medidosis quasi SOFORT zu erhöhen und während der Schwangerschaft nicht damit aufzuhören. 
Aber es hat sich gelohnt.

Fazit: Es ist nicht einfach. Aber möglich. Lass dir von deinen behandelnden Ärzten helfen.
Und ich würde gern sagen: Versteif dich nicht drauf, lass los und stress dich nicht. Aber das ist unrealistisches Gewäsch. Wer sich aus tiefstem Herzen ein Kind wünscht und weiß wie es ist, wenn sich dieser Wunsch lange nicht erfüllt, der weiß auch, dass man nicht einfach NICHT angespannt sein kann. Man kann den Kopf nicht abschalten, einfach so, indem man sagt: Wird schon!
Aber: Verlier nicht den Mut!!!!
Wie sagt man so schön? 
Wer kämpft kann verlieren. Aber wer nicht kämpft, hat schon verloren. 
Schon tausend Mal gehört. Aber wahr. So so wahr.
Mit einem kleines Quäntchen Glück wird uns der Wunsch nach einem zweiten Kind vielleicht erfüllt, aber mit der Vorgeschichte wird das sicher kein Spaziergang.

Also, 
hau rein Kapelle 😉

                                                                                                                                                                                                                                         deine Lila

9 thoughts on “Hashimoto-Thyreoiditis und Kinderwunsch

  1. Hallo, das mit der Gewichtszunahme ist mir nicht unbekannt. Auch ich habe Hashimoto. Meinen Kinderwunsch habe ich auf Eis gelegt, da zu Hashimoto weitere Autoimmunerkrankungen kommen, die es noch schwerer machen. Ich habe eine Gute Praxis gefunden, aber so wirklich setzt sich keiner der Ärzte, mit denen ich es zu tun hatte, mit Hashimoto auseinander. Das ganze endete in einem Zusammenbruch und Depressiven Episoden. Im Moment geht es mir gut, weil ich gemerkt habe, es ist nicht nur Fett, das mein Gewicht ausmacht. Ich habe starke Flüssigkeitseinlagerungen, die auch typisch sind. Aber trotzdem will ich leben und genießen. Ich habe mich arrangiert und bin froh, dass es nicht schlimmeres ist. Genieße deine kleine Familie und freu dich an deiner Kleinen. Bejahe das Leben und versuch deine Welt schön zu gestalten. Jedes Lächeln deiner Lütten ist ein kleines Glück!

    Viele Grüße
    Fien

    1. HAllo,
      es tut mir sehr Leid, dass du den Kinderwunsch auf Eis legen musstest, ich weiß ja, wie das ist.
      Den Verdacht mit den Wassereinlagerungen hatte ich bei mir auch schon, dem muss ich mal nachgehen.
      So richtig leicht fällt es mir nicht, das Leben zu bejahen, ich weiß um den riesen Unterschied an Lebensqualität und steh mir gleichzeitig mit meinen depressiven Verstimmungen selbst im Weg.
      Aber wie auch immer, ich bin einfach unfassbar dankbar für unsre Tochter und weiß dieses Glück sehr zu schätzen. Ein Kind kann kaum gewünschter sein als dieses.

      Ich drücke dir die Daumen für jedes bisschen Besserung und Lebensqualität, das du dazu gewinnen kannst!

      Liebe Grüße,

      Mara

    2. HAllo,
      es tut mir sehr Leid, dass du den Kinderwunsch auf Eis legen musstest, ich weiß ja, wie das ist.
      Den Verdacht mit den Wassereinlagerungen hatte ich bei mir auch schon, dem muss ich mal nachgehen.
      So richtig leicht fällt es mir nicht, das Leben zu bejahen, ich weiß um den riesen Unterschied an Lebensqualität und steh mir gleichzeitig mit meinen depressiven Verstimmungen selbst im Weg.
      Aber wie auch immer, ich bin einfach unfassbar dankbar für unsre Tochter und weiß dieses Glück sehr zu schätzen. Ein Kind kann kaum gewünschter sein als dieses.

      Ich drücke dir die Daumen für jedes bisschen Besserung und Lebensqualität, das du dazu gewinnen kannst!

      Liebe Grüße,

      Mara

  2. Ich kenne inzwischen so viele Menschen mit dem Problem,ist das nicht seltsam? Was ist da nur los, dass Hashimoto so verbreitet ist? Lg an euch! ♡ ich drück die Daumen. Alu

  3. Liebe Tamara, ich habe auch einen kleinen Hoffnungsschimmer für dich! Auch bei mir wurde Hashimoto diagnostiziert, und zwar zu Beginn meiner ersten Schwangerschaft. Zuvor hatte ich davon noch nie etwas gehört. Ich hatte einen TSH-Wert von 12! Ja, 12! Mein Frauenarzt meinte, dass er sich nicht erklären kann, wie ich mich überhaupt noch auf 2 Beinen halten kann. Und dass ich im 1. Zyklus!!! schwanger geworden sei, grenze fast an ein Wunder! Was mein Doc mit ersterem
    meinte, wurde mir klar, als ich schließlich medikamentös richtig eingestellt war. Ich fühlte mich so fit, so wach und lebensfroh wie seit 10 Jahren nicht mehr.
    Meine 2. Schwangerschaft begann ebenfalls mit schlechten Schilddrüsenwerten. Mein Frauenarzt hatte zwar die Diagnose gestellt und mir Medikamente verschrieben, aber nicht gesagt, dass ich diese mein Leben lang nehmen muss. Das Ergebnis: eine fast vollständig zerstörte Schilddrüse. Das stellte dann ein Endokrinologe fest, zu dem ich erst auf unablässiges Drängen von meinem Frauenarzt eine Überweisung bekam. Warum? Keine Ahnung! Vielleicht war er sich seiner Diagnose (zu) sicher und hielt es für unnötig. Ich werde es nie erfahren, da ich auch aus anderen Gründen den Frauenarzt gewechselt habe. Für die Diagnose bin ich ihm aber trotzdem immer noch dankbar! Und trotzdem: auch bei der 2. Schwangerschaft würde ich bereits im 2. Zyklus schwanger.

    Was ich dir damit sagen oder aufzeigen möchte: ich hatte wahnsinnig schlechte Schilddrüsenwerten, eine kaputte Schilddrüse, und trotz allem bin ich ganz schnell schwanger geworden. Ich hoffe, dass dir das Mut macht und du so etwas positiver in die nächste "Hibbelphase" gehen kannst. Ich drück dir alle Daumen! Und was das nächste Geburtserlebnis betrifft, bin ich auch mehr als zuversichtlich. Aber das weißt du ja bereits �� ((()))
    Liebe Grüße, Anne

    1. Tausend Dank für die aufmunternden Worte!
      Wie unterschiedlich die Erfahrungen doch sein können, unglaublich. Das macht mir Hoffnung, wird ja wohl zu schaffen sein 😉
      Ich bin übrigens immer wieder erschrocken, wie sehr man als Patient selbst die Ärzte immer wieder zu einer genaueren Diagnose und Untersuchung drängen muss. Das ist doch völlig falsch?!?

      Und ja: Ich arbeite daran, dass die dann hoffentlich kommende nächste Geburt besser, schöner, positiver wird.

      Liebste Grüße 🙂

  4. Liebe Lila, ich weiß, was Du durchmachst. Vor allem das mit der Gewichtszunahme und der Müdigkeit kenne ich auch. Ich habe auch einen Hashimoto und bin viel zu spät zum Arzt gegangen – da hatte ich schon 30 Kilo zugenommen. Mittlerweile sind es 34 Kilo + und ich fühle mich total machtlos. ABER: Ich habe trotz Hashi vor 3 Monaten mein 3. Kind bekommen! Ich war vorher gut eingestellt (konnte dennoch nicht abnehmen) und eine Schwangerschaft IST möglich!Nun merke ich, dass ich schleunigst wieder zum Arzt muss, um die Blutwerte checken und die Hormondosis anpassen zu lassen.
    Das traurige Ende Deiner SS tut mir furchtbar leid. Gib nicht auf, es wird bestimmt klappen. Ich drücke fest die Daumen! LG Anni

    1. Hey,

      danke für deine Mut-machende Antwort! Ich freue mich immer, wenn ich mit Leuten, die ebenfalls diese Krankheit haben, in Kontakt komme. Denn um ehrlich zu sein habe ich oft das Gefühl, dass Außenstehende Schilddrüsenkrankheiten irgendwie nicht ernst nehmen. Weils ja so viele haben :-/
      ZUM GLÜCK ist dein Beileid nicht nötig. Vielleicht habe ich mich komisch ausgedrückt, aber es war 'nur' die Schwangerschaft, die wirklich nicht schön war und mich sehr hat leiden lassen. Aber unser Kind hat es geschafft, Helena ist unser ganzer Stolz. Aber wir fühlen uns noch nicht komplett. Ich habe etwas Angst, dass wir dieses Mal kein Glück haben, denn gut eingestellt von ich noch lange nicht, seit 8 Jahren nun.
      Wenn es aber nicht so sein soll, dann haben wir unsre Tochter und damit ein wunderbares Geschenk.
      Liebste Grüße, Mara

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