Das Mädchen mit dem Ballon

Es ist Dienstag früh.
Ich bin müde, Helena ist müde, aber sie hat plötzlich eine fixe Idee:
Neni Bollon haben!!
Du möchtest einen Ballon haben?
sie strahlt über das ganze Gesicht:
Jaaaaaa!
Moah. Gefüllte Heliumballons gibt es im Umkreis an genau einem Ort: Der Spieleladen 20 km entfernt, inmitten einer überlasteten Innenstadt, der es vor Allem an einem mangelt: Parkplätzen.

Aber mein Krümelmädchen strahlt mich an und ich kann diesen rehbraunen Augen und dem Lächeln kaum etwas abschlagen.
Kurz darauf sind wir unterwegs, ich seh sie durch den Rückspiegel zur Musik zappeln tanzen und fast vergesse ich, was da gleich auf mich zukommt.
Natürlich finde ich keinen Parkplatz. Fahre zig mal im Kreis. Hallo, Stress. Musste ich unbedingt nachgeben? Hätte ich nicht einfach nein sagen können? Typisch ich, ey. Helena tanzt noch immer.

Nach scheinbar endloser Suche und einem waghalsigen Einparkmanöver finden wir den Weg zum Spielzeuggeschäft dann doch noch. Während ich einen schönen Ballon für Helena aussuche entdeckt sie ein Regal voller Pferdefiguren und fängt prompt an zu quengeln. Als ich mich entschieden habe, welcher Ballon es werden wird möchte ich mich noch kurz umschauen und Helena quengelt weiter, diesmal nach ihren (noch unaufgeblasenen) Ballon.
Einatmen. Ausatmen.
Kurz diese Situation überdenken, natürlich erwarte ich grade zu viel von einer Zweieinhalbjährigen.
Also lasse ich den Ballon aufpusten und währenddessen erlaube ich ich Leni sogar noch, sich eins der Pferdchen auszusuchen.
Als die Dame mit dem prall gefüllten Ballon um die Ecke kommt sind Helena und ich gleichermaßen überwältigt: Der Helium-Olaf, der da an der Schnur hopst ist mindestens so groß wie Helena selbst.

Wir verlassen das Geschäft und treten unseren Spaziergang zurück zum Auto an. Ich, mein kleines, strahlendes Mädchen und der riesengroße ‚Bollon‘, der vom Wind hin und her getragen wird.
Und überall schauen die Menschen zu uns.
Passanten, Kunden und Verkäufer hinter den Schaufenstern, frierende Menschen in Raucherpause, jeder.
Und sie lächeln.
Niemand, der nicht spontan grinsen muss, beim Anblick dieses kleinen glücklichen Mädchens, das lauthals lacht, wenn Olaf mir ins Gesicht fliegt oder wie verrückt an der Schnur um Lenis Handgelenk zuppelt.
Mama, Olauf fliegt!!!
Man zeigt auf uns, man lacht mit uns, man winkt uns zu.
Und ich freue mich wahnsinnig, dass diese Kleinigkeit, die mir erst so unnötig aufwendig erschien, so vielen Menschen den Tag etwas versüßt hat.
Eine kleine Entscheidung, so winzig wie der Flügelschlag eines Schmetterlings, hat so viel bewirkt, in so vielen Herzen.
Wären wir zu Hause geblieben wären all diese Menschen mit einem Lächeln weniger in der Seele zu Bett gegangen.
Ein gutes Gefühl.

Und mein Mädchen, das wird noch einige Male mehr strahlen vor Freude, wenn sie ihren Olaf durch die Wohnung schweben lässt.

Ich hoffe, du hast beim Lesen gelächelt.

Bis bald,

deine Lila


One thought on “Das Mädchen mit dem Ballon

  1. Es ist immer wieder faszinierend, wieviel Kindern so eine einfache Sache, wie ein Luftballon 🎈 bedeuten kann :). Das muss noch nicht einmal ein Olaf oder Helium Ballon sein, nein ein stinkt normaler Luftballon und das Kinderherz macht Sprünge. Aber Pass bloß auf wenn der dann kaputt geht, das gab schon so manche Tränen 😅

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