Das IKEA-Workout

Wenn du was für deine Figur tun willst, dann geh einmal die Woche mit einem schlecht gelaunten Kleinkind zu IKEA.

Letzte Woche noch schrieb jemand auf Twitter etwas wie „mein Kind hatte noch nie einen Wutanfall bei IKEA“ und viele antworteten mit einem Augenzwinkern: „das will ich nicht hören!“

und ich dachte mir: „Helena hatte das auch noch nie!“, hielt aber meinen Mund. Hat nix genutzt, Murphy findet jeden, auch durch Gedanken.

Es ist Donnerstag Nachmittag, und ich möchte endlich meine Gutscheine aufbrauchen, die ich seit April mit mir herumtrage. Ein neuer Nähbereich soll her. Also Kind und Kegel eingepackt und los. Ging bisher immer gut, wird auch jetzt gut gehen.

Wir gehen durch die Ausstellung, Helena ist noch ganz gut drauf. Stühle, Sessel, Sofas und Betten hoch und runter. Ab und an ein bisschen hüpfen, hoffentlich sieht’s kein Mitarbeiter.

Ein kleiner Tiefpunkt zieht an uns vorbei, weil in einem der Wohnzimmer der TV eingeschaltet ist und eine Kinderserie läuft. Wenn wir sie gucken lassen gibt’s gewiss Drama. Eine Erholungspause, die uns zu viel Zeit kosten würde. Also schleusen wir sie mehr oder weniger glimpflich daran vorbei, es wird nur ein wenig gejammert. Das fange ich auf, indem ich ihr die tollen Kissen im nächsten Zimmer zeige (ooohhhh…ahhhhh…guck mal, Katzen!).

Puh, das war knapp und grade mal zum Aufwärmen.

Dann naht die Kinderabteilung. Man wird begrüßt von hunderten Kuscheltieren, unter anderem der Hund, den die Oma ihr vor einer Weile gekauft hat. Ich gebe mein Bestes, sie den Hund nicht sehen zu lassen, Hindernislauf vom Feinsten. Aber keine Chance. Der sitzt ÜBERALL. Helena weint. Sie ruft ihren ‚Wau‚, der doch bei ihr sein muss. Sie will ihn kuscheln und mitnehmen, lässt sich nicht ablenken. Sie ist grade zwei geworden, wie um Himmels Willen soll mein Mädchen das verstehen?

Auch die Treppe runter, ins Lager, wird weinend betreten. Leni ist kürzlich gestolpert. Nichts Schlimmes, aber seit dem hat sie Angst, ruft ‚Aua‚, bei jeder Treppe. Also gehts mit extra-Gewichten auf dem Arm die Stufen runter.

Unten dann ab in den Wagen mit dem 15-Kilo-Gewicht. Vorwärts, vorwärts, nicht ablenken lassen. Schieben, ziehen, um die Kurven quietschen, damit das Kindchen lacht. Alle paar Meter Kniebeuge, denn wenn sie sauer ist, wirft sie den Schnuller weg. Hinterherhechten, in die Knie, hoch, den Schnuller zurück ins Schnütchen. Hampelmann machen, lach doch bitte, mein Engel!

Nein, aber der Krach, den wir machen, wäre eine Konkurrenz für jede Rennbahn.

Wir schummeln etwas, nehmen alle Abkürzungen, die wir kriegen können.

Unterwegs fliegt der Schnuller noch mehrere dutzend Male.

SO wird das nichts, dafür reicht die Ausdauer nicht. Also kleine Pausen einlegen, Helena kommt mal auf die Schultern, mal auf den Arm, mal in den Wagen und zwischendrin sitzen wir irgendwo zwischen den Regalen auf dem Boden. Lieblingssport: Extrem-Kuscheln. Das kleine Seelchen wieder beruhigen.

Es folgt Langstreckenlauf durch die hohen Lagerregale. Der Wagen wird schwerer und schwerer. Braune Verpackungskartons lenken nicht mehr ausreichend vom inneren Unwohlsein meines Kindes ab. Die Laune sinkt immer weiter (dass das überhaupt noch geht…).

Dann naht der Zieleinlauf. Kündigt sich durch geschäftige Kassenschlangen an. Ein Piepskonzert am Ende des Tunnels.

Eine letzte erfolgreiche Ablenkung, denn Helena darf selbst scannen.

Die Kassenaufsicht steht lächelnd neben mir und überreicht mir eine mentale Medaille:

„Das erleben wir jeden Tag so oft, aber sie haben es jetzt geschafft, Kopf hoch!“
Ich lächle dankbar, wische mir den Schweiß von der Stirn und möchte, dass sie mich tröstend auf denArm nimmt.

Kein Hotdog hinterher. Wir hätten ihn uns verdient, aber Helena lässt sich nicht durch Essen bestechen.

Schnell noch IKEA-Tetris mit unsrem Auto spielen.

Kaum auf der Autobahn angekommen höre ich mein Kind von hinten laut und herzhaft lachen. Minutenlang. Keine Ahnung was ihr Gemüt so erhellt, aber es klingt wie Musik in meinen blutenden Ohren.

Abends fallen wir alle völlig fertig ins Bett und schlafen durch.

Beim nächsten Mal wirds besser. Bestimmt!

Deine erschöpfte Lila

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